Transfusionsmedizinische Infektionsdiagnostik

Alle Blutspenden werden auf relevante Viruserkrankungen, die durch Blut übertragen werden können, hin untersucht.
 
Das Spenderscreening umfasst folgende Testungen:
Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, HIV, Syphilis, Parvovirus B 19 und Neopterin
 
Optional werden auch CMV (Cytomegalie)-Antikörper getestet.
 
Das Screening für Hepatitis B, C, HIV, Syphilis und einen unspezifischen Immunaktivierungsmarker (in unserem Fall Neopterin) ist festgelegt durch die Blutspenderverordnung.
 
Weiters werden auch Erreger getestet, die durch Plasmainaktivierungsverfahren nicht abgereichert werden können (Hepatitis A, Parvovirus B19).
 
Hepatitis B:
Die Hepatitis B ist eine durch Viren verursachte Leberentzündung.
Die Übertragung der Hepatitis B-Viren (HBV) erfolgt durch Blut aber auch andere Körperflüssigkeiten (Sperma, Speichel, Tränen), wobei bereits eine geringe Virusmenge für die Ansteckung ausreichend ist. Sehr kleine Haut- oder Schleimhautverletzungen können bereits eine Eintrittspforte für die Viren darstellen. Das Übertragungsrisiko ist daher beträchtlich, selbst für Personen, die lediglich im selben Haushalt leben.
 

Die Hepatitis B des Erwachsenen heilt zumeist spontan aus. Selten entsteht eine chronische, oft nicht entdeckte Infektion. Spätfolgen einer unbehandelten, chronischen Verlaufsform können eine Leberzirrhose und die Entstehung eines Leberzellkarzinoms sein.

Vor einer Ansteckung mit Hepatitis B sollte man sich durch eine Impfung schützen.
Die Hepatitis B ist eine meldepflichtige Erkrankung.

 
Hepatitis C
Das Hepatitis C-Virus (HCV) wurde 1988 erstmals nachgewiesen.

Das Virus wird vornehmlich durch Blut übertragen (gemeinsamer Gebrauch von Nadeln und Kanülen). Eine sexuelle Übertragung ist prinzipiell möglich jedoch selten.

Häufig verursacht das Virus eine chronische Leberentzündung, die nach Jahrzehnten zu einer Leberzirrhose und einem Leberzellkarzinom führen kann.

Leider existiert derzeit gegen die Hepatitis C noch keine Schutzimpfung. Die Therapie der Hepatitis C hat jedoch in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, und neue Medikamente sind vielversprechend, was die Heilungschancen angeht.

Die Hepatitis C unterliegt der Meldepflicht nach dem Epidemiegesetz.

 

Hepatitis A
Hepatitis A kommt weltweit vor, aufgrund des guten Hygienestandards ist die Infektion in Österreich jedoch nur wenig verbreitet. Zumeist tritt sie bei Personen nach einer Reise in ein Land mit hoher Verbreitung auf.

Die Übertragung erfolgt durch kontaminiertes Wasser und verunreinigte Lebensmittel, insbesondere kann der Genuss von Muscheln und anderen Schalentieren zu einer Infektion führen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist durch Schmierinfektionen (fäkal-oral) möglich, da das Virus über den Stuhl ausgeschieden wird und relativ widerstandsfähig gegenüber verschiedenen Umweltbedinungen und Reinigungsmaßnahmen ist.

Die Infektion kann zu einer Gelbsucht führen, jedoch sind keine chronischen Verlaufsformen bekannt.

Eine Impfung gewährt lang anhaltenden Schutz.

Eine Hepatitis A muss namentlich an die Behörde gemeldet werden.

 
HIV
Das Virus (Humanes Immundefizienz-Virus) kann durch Körperflüssigkeiten, insbesondere Blut, Sperma, Vaginalsekret und den Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut übertragen werden. Es verursacht eine Immunschwäche und üblicherweise erst nach Jahren die Erkrankung AIDS, die unbehandelt zum Tod führen kann.
 
Es gibt aktuell keine Impfung gegen die Infektion, der beste Schutz ist eine konsequente Anwendung von Kondomen bei neuen bzw. häufig wechselnden Sexualpartnern.
 
Aktuell ist durch eine Therapie keine Heilung möglich.
 
Die behördliche Meldung einer HIV-Infektion erfolgt quartalsweise ohne Angabe von Namen.
 
  
Syphilis (Lues)
Die Erkrankung wird durch Bakterien (Treponema pallidum) ausgelöst und wurde vermutlich nach der Entdeckung Amerikas nach Europa eingeschleppt.
 
Die Übertragung erfolgt über Sexualkontakt, und die Infektion kann nach Jahren zu schweren neurologischen Symptomen führen. Anders als früher ist sie aber mittels Antibiotika gut zu behandeln.
 
Wer von Syphilis geheilt wurde, ist lebenslang Träger von Antikörpern (Serumnarbe) und muss daher von der Blutspende ausgeschlossen werden.
 
Eine Schutzimpfung existiert nicht.
 
Die Syphilis unterliegt nach dem Geschlechtskrankheitengesetz einer eingeschränkten Meldepflicht.
 
Parvovirus B19
Der Erreger der Ringelröteln ist ein Virus, das durch eine Tröpfcheninfektion übertragen werden kann. Insbesondere im Frühjahr sind Infektionen zu beobachten, wobei es alle paar Jahre zu einer Häufung kommt.
 
Die Infektion kommt primär im Kindesalter vor, später verläuft die Erkrankung zumeist ohne wesentliche Symptome.
 
Cytomegalievirus
Das Virus, das über eine Tröpfcheninfektion verbreitet wird, ist in Österreich sehr häufig. Ein Großteil der Bevölkerung hat die Infektion, zumeist unbemerkt, durchgemacht und wird dadurch zum Träger von CMV. Die Viren befinden sich lebenslang in bestimmten weißen Blutkörperchen, bereiten aber im Normalfall keine Probleme.
 
Eine besondere Gefährdung existiert in der Schwangerschaft, weil es zu schweren Krankheitsbildern des Ungeborenen führen kann. Eine weitere Gefährdung liegt bei Patienten mit einer Immunschwäche. Besteht eine Indikation, werden Patienten mit Blutprodukten versorgt, in denen es keinen Anhaltspunkt für die Anwesenheit von CMV gibt.
  
Neopterin
Hierbei handelt es sich um einen Botenstoff des Immunsystems, der von den Fresszellen (Makrophagen) ausgeschüttet wird, wenn diese durch Vireninfekte oder andere Einwirkungen, zum Beispiel Autoimmunerkrankungen, aktiviert werden. Ein stark erhöhter Neopterinwert ist somit ein Maß für den Aktivitätszustand des Immunsystems und kann ein Hinweis auf ein Krankheitsgeschehen sein.
Bereichsleitung:
OA Dr. Camilla Drexler
Tel.: +43 (316) 385 83067 
Letzte Aktualisierung: 09.02.2015