Qualitätsrisikomanagement der pharmazeutischen Betriebstätte an der UBT

Qualitäts- und Risikomanagment

Die Basis für das Pharmazeutische Qualitätsrisikomanagement an der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin bilden die GMP Guidelines und weitere mitgeltende Regelwerke (Explanatory Notes on the preparation of a Site Master File, ICH guideline Q9 on quality risk management, ICH guideline Q10 on pharmaceutical quality system). Die GMP Guidelines sind in unterschiedliche Themenbereiche zusammengefasst und in Hauptkapitel und Anhänge gegliedert. Nachfolgend werden diese Hauptkapitel näher erläutert und stellen ebenfalls die Matrix für die Tätigkeiten des QRM Teams an der UBT dar.
 
Pharmazeutisches Qualitätsmanagement:
  1. Abbildung der Prozesse und deren Wechselwirkungen
  2. Messung der Prozessleistung und Bewertung der Kennzahlen (Managementreview)
  3. Aufbauorganisation
  4. Site Master File
  5. Funktionsbeschreibungen
  6. Implementierung und Aufrechterhaltung des Risikomanagements
Das Qualitätsrisikomanagementsystem, basierend auf den Anforderungen der GMP-Guidelines, erstreckt sich im Betrieb der UBT über den Bereich der pharmazeutischen Herstellung von Blutprodukten (Betrieb gem. §63 AMG), der Testung von Blutprodukten, Zellen und Geweben, der Verarbeitung und Lagerung von Produkten im Sinne des GSG (gem. §22 GSG), der Entnahmeeinrichtungen für Blutstammzellen (gem. § 19 GSG), Vollblut und Blutkomponenten (gem. § 14 BSG), der Kompatibilitätstestung, Lagerung und Verteilung im Blutdepot (gem. §32 StKAG).
 
Ziel ist, die Anforderungen zum Erhalt der notwendigen Bewilligungen sicher zu stellen und für die Patientenversorgung in der Steiermark eine möglichst hohe Produktqualität zu garantieren, die sich auch auf die Behandlungsqualität (Patientensicherheit) auswirkt. Das Risikomanagement ist auf allen Ebenen des Betriebes zu implementiert. Risikobetrachtungen müssen sowohl in den operativen Tätigkeiten (Gerätequalifizierungen, Prozessvalidierungen, Abweichmanagement, usw.) als auch in der Planung künftiger Aktivitäten (Ausbau des Produktportfolios, Öffnung der Klinik für externe Nutzer, usw.) berücksichtigt werden.
 
Personal:
  1. Schulungen
  2. Wirksamkeitsüberprüfungen
Alle Tätigkeiten im Pharmazeutischen Betrieb sind von Personen auszuführen, die nachweislich entsprechend ausgebildet und geschult sind. Der Erfolg von Schulungen muss durch Wirksamkeitsprüfungen nachgewiesen werden. Neben den fachspezifischen Schulungen gibt es verpflichtende Schulungen, die jährlich abzuhalten sind (Hygiene, Datenschutz, Arbeitssicherheit, Strahlenschutz, Brandschutz, QRM).
 
Räume, Anlagen und Ausrüstung:
  1. Qualifizierung von Anlagen, Aufrechterhaltung des Qualifizierungsstatus
  2. Führen des Qualifizierungsmasterplanes
  3. Validierung von EDV-Systemen
  4. Mess- und Prüfmittelüberwachung
  5. Überwachung der Betriebsparameter durch Anlagen- und Gebäudemonitoring
  6. Überwachung der GMP-relevanten Änderungen im Prozess (Change Control)
Sämtliche Räume, Versorgungssysteme (Gase, Wasser, Strom) und medizinisch technische Anlagen müssen eigenständig oder im Auftrag qualifiziert/validiert werden. Ebenso sind Softwareanwendungen, die im Herstellungsprozess oder der Produktfreigabe eingesetzt werden, eigenständig oder im Auftrag zu validieren. Betriebsparameter, wie Temperatur, Partikel, Druck oder Luftfeuchtigkeit mit Relevanz für den laufenden Herstellbetrieb, müssen überwacht und geregelt werden.
 
Dokumentation:
  1. Dokumentenaufbereitungs- und -lenkungssystem
  2. Protokolleinträge
  3. Dokumentenarchivierung
Regelkonforme GMP-Dokumentation verlangt Nachvollziehbarkeit, Aktualität und Vorgabekonformität. Alle Schritte, die direkt mit dem Produkt oder der Produktfreigabe in Zusammenhang stehen, müssen dokumentiert werden. Eine durchgehende Dokumentation ist die Grundlage für Ursachenanalysen im Falle von Abweichungen oder Lookbackverfahren.
 
Herstellung:
  1. Chargenkontrolle, Freigabe, Überwachung der Lagerparameter
  2. Prozessvalidierungen
Die Produktion im konventionellen Herstellungsbereich umfasst derzeit Erythrozytenkonzentrate, Thrombozytenkonzentrate und Plasma aus Vollblut. In der Blutspendeeinrichtung werden außer der Vollblutspende (Eigenblut) vorwiegend Thrombozyten-Konzentrate und Plasma durch Apherese gewonnen. In der Gewebeentnahmeeinrichtung findet die Gewinnung von peripheren Blutstammzellen statt. Das gewonnene Plasma wird zur weiteren Verarbeitung an die Industrie verkauft. Grundsätzlich sind hierbei auch die zusätzlich getroffenen Qualitätssicherungsvereinbarungen mit dem Plasmaabnehmer einzuhalten.
 
Qualitätskontrolle
  1. Statistische Prozesskontrolle gemäß gesetzlicher Vorgaben
  2. Chargenfreigabe (Plasma)
Der Produktionsprozess und alle relevanten unterstützenden Prozesse müssen unter definierten Bedingungen ablaufen. Zur Sicherstellung dieser kontrollierten Bedingungen müssen die kritischen Prozessparameter regelmäßig kontrolliert werden. Diese regelmäßigen Kontrollen umfassen auch die Überprüfung der Spezifikation der hergestellten Produkte. Zugekaufte Verbrauchsmaterialien und Testreagenzien unterliegen einer Wareneingangskontrolle/Chargenkontrolle, um eine gleichbleibende Qualität sicher zu stellen.
 
Herstellung und Prüfung im Auftrag (Ausgelagerte Tätigkeiten):
  1. Schnittstellendefinition (Schnittstellenvereinbarungen mit technischen Einheiten, EDV-Dienstleistern, externen Dienstleistern, Auftragslaboren, Lieferanten, usw.)
  2. Inspektionen von Lieferanten
  3. Definition der Qualitätsanforderungen
Für alle ausgelagerten Tätigkeiten müssen schriftlicher Vereinbarungen über den Leistungsumfang mit dem Auftragnehmer vereinbart werden. Der Qualitätsstandard eines Auftragnehmers muss dem, der UBT entsprechen.
 
Reklamationen, Produktrückrufe, Qualitätsmängel
  1. Korrektur- und Abweichmaßnahmen
  2. Reklamationsabwicklung
Werden Produkte nach ihrer Auslieferung als mangelhaft erkannt (z.B. nachträgliche Meldung von Spendersperrgründen, abweichende Werte von Testungen), müssen diese zurückgerufen werden. Es muss sichergestellt werden, dass diese Produkte nicht mit den freigegebenen Produkten gemeinsam gelagert werden. Korrektur- und Abweichmaßnahmen müssen auf Basis einer Risikobetrachtung erfolgen.
 
Selbstinspektionen, externe Inspektionen
  1. Überwachung der internen Vorgaben nach strukturierter Planung
  2. Maßnahmenverfolgung
  3. Vorbereitung und Begleitung der externen Inspektionen
Eine wesentliche Aufgabe im pharmazeutischen Qualitätsrisikomanagement ist die Durchführung von Selbstinspektionen. Ziel ist, die Konformität mit den unterschiedlichen gesetzlichen und normativen Vorgaben zu überprüfen. Bei Abweichungen sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den gesetzeskonformen Betrieb sicher zu stellen.
Bereichsleitung:
Mag. Dr. Andrea Wagner
Tel.: +43 (316) 385 - 83067
 
Letzte Aktualisierung: 27.10.2017